Cosmologies of Play
Polina Osipova


ERÖFFNUNG
18. September 2026, 18–21 Uhr

LAUFZEIT
19. September – 25. Oktober 2026


ÖFFNUNGSZEITEN
26. September, 10. / 17. / 24. Oktober, von 15–19 Uhr und auf Anfrage


KÜNSTLERINNENGESPRÄCH
20. September 2026, 15 Uhr
Mit Polina Osipova und Kathrin Becker
Moderation: Kira Dell
Sprache: Englisch

Für ihre erste Einzelausstellung in Deutschland verwandelt Polina Osipova mit Cosmologies at Play den Projektraum Neun Kelche in einen Spielplatz. In ihrer Installation verbindet Polina tschuwaschische Kosmologien mit sowjetischen Spielplatz-Typologien, deren Formsprache die Raumfahrt als Identifikationssymbol und Zukunftsversprechen der Sowjetunion aufgriff. Auch bei Polina wird die Rutsche zur Rakete, das Spielhaus nimmt mit umlaufendem Ring die Form des Saturns an und erinnert zugleich an Sputnik 2, mit de die Hündin Laika 1957 zur Kosmonautin wurde. Auf der Wippe befindet sich ein Planetensystem, im silber umrundeten Sandkasten darf mit Raketen gespielt werden. Ab Mitte der 1950er Jahre wurden standardisierte Spielgeräte nach staatlichen Entwürfen über das gesamte Gebiet der Sowjetunion verteilt. So entstand ein gemeinsames visuelles Vokabular, von dem manches bis heute erhalten ist. Vergleichbare kosmische Spielplatzarchitekturen fanden sich auch in der DDR und in Ost-Berlin. Manche Besucher*innen könnten sich deshalb an die eigene Kindheit erinnert fühlen.






Doch die für den Projektraum entstandenen Arbeiten zitieren diese historische Formsprache nur auf den ersten Blick. Polina verändert ihre Materialität und Oberflächen, bekleidet, überzieht und ergänzt die Spielgeräte mit Textilien, Metallarbeiten und Fotografien aus ihrem Familienarchiv. Dieses Schichten, Montieren und Verbinden unterschiedlicher Materialien und Erinnerungsfragmente ist zentral für ihre
Praxis. Tschuwaschische Handwerkstechniken, Ornamente und überlieferte Erzählungen bilden dabei seit Langem einen wichtigen visuellen Bezugspunkt ihrer Arbeit. Aus den bekannten Formen von Raketen und Planeten entstehen so Objekte, deren Oberflächen immer neue Geschichten freilegen und kollektive Erinnerung mit denen der Künstlerin verweben.



FOTOGRAFIE
Dorothea Dittrich, VG Bildkunst 2026